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«Stellflächen am Baggersee Kleinpösna gesucht» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 31. Juli 2003

Stellflächen am Baggersee Kleinpösna gesucht


Der Engelsdorfer Ortsvorsteher Bernhard Brand (PDS) hat einen neuen Anlauf gestartet, um das Verkehrschaos am Kleinpösnaer Baggersee zu entschärfen. Auf sein Drängen prüft das Leipziger Stadtplanungsamt nun die umliegenden Flächen als eventuellen Standort für einen Parkplatz und will zwischen den Grundstücksbesitzern moderieren. Schon vor fünf Jahren waren sich Volksvertreter und der Grubenbetreiber am Kleinpösnaer Baggersee einig: Der "wilde" Badebetrieb an der ehemaligen Kiesgrube soll ein Ende haben. Damals stellte der Grubenbetreiber Kies- und Natursteinbetriebe (KNL) seine Rekultivierungspläne vor: Der Kleinpösnaer Baggersee und die angrenzenden Flächen sollten ein ausgewiesenes Naherholungsgebiet werden. Spazier- und Radwege würden entstehen, dazu ein attraktives Badegelände. Der damalige Engelsdorfer Ortschaftsrat ergänzte diese Pläne mit einem Flächennutzungsplan, der in unmittelbarer Nachbarschaft Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie einen Parkplatz vorsah.

Fünf Jahre später hat sich an der unhaltbaren Verkehrssituation an dem Badesee wenig geändert. Besonders in diesem heißen Sommer nutzten Scharen von Sonnenhungrigen die Zufahrt zum Kieswerk als illegalen Parkplatz und Spazierweg, während die Kieslaster ihre tonnenschweren Ladungen hin- und her transportierten. Die Pläne für den Freizeitpark am See haben sich ebenfalls nicht realisiert. "Wir warten immer noch auf einen Investor", sagt Ortschaftsrat Andreas Althammer (CDU), der auch dem ehemaligen Gemeinderat angehörte.

Die Aufsichts- und Besitzverhältnisse rund um den See sind inzwischen nicht gerade übersichtlicher geworden. Der See ging mitsamt der Gemeinde Engelsdorf in das Hoheitsgebiet der Stadt Leipzig über. Die hat im Dezember 2000 auch den Abschlussbetriebsplan unterzeichnet, nach dem der Badesee ausreichend "renaturiert" war, wie der Fachbereichsleiter Steine/Erden beim aufsichtsführenden Bergamt in Borna, Heiner Göbel, bestätigt. "Die landschaftliche Nutzbarmachung der Grube schloss mit ein, dass Strandbereiche geschaffen werden. Die dazugehörige Infrastruktur wie ein Parkplatz zählt nicht zu den Pflichten des Grubenbetreibers", präzisiert Göbel die Auflagen.

Dann wurde der See von dem Kieswerk an den Anglerverband Mittlere Mulde Leipzig verkauft. Ein großes Grundstück zwischen See und Autobahnauffahrt gehört noch der Grube, ist aber verpachtet. Zwischen dem See und dem Ort teilen sich verschiedene Privatbesitzer Grund und Gebäude. Auch sie werden landwirtschaftlich genutzt.

Angesichts dieser Situation ist Ortsvorsteher Bernhard Brand weit davon entfernt, "Luftschlösser" bauen zu wollen. "Wir können auf niemanden Druck ausüben", sagt er. "Aber wir können sondieren, was möglich ist. Denn allen Beteiligten ist klar, dass die derzeitige Situation untragbar ist." Der Abschlussbetriebsplan sei zu schnell und leichtfertig unterzeichnet worden, wirft er aus heutiger Sicht den Verantwortlichen vor.

Gemeinsam mit der Sachgebietsleiterin Ost im Stadtplanungsamt, Susanne Keil, hat Brand eine Strategie ausgearbeitet: Zunächst will das Amt prüfen, welche Flächen für einen Parkplatz geeignet sein könnten. "Sensible Bereiche aus naturschutzrechtlicher Sicht wollen wir ausklammern und die Grundwasserverhältnisse sondieren", so Keil. Dann müsse man mit den Grundbesitzern ins Gespräch kommen.

Ortsvorsteher Brand hat sich darauf eingestellt, dass dies ein längerfristiger Prozess werden könne. "Am Ende des Sommers tritt das Problem erst einmal wieder in den Hintergrund - wir bleiben aber auch über den Winter dran", verspricht er. Im nächsten Jahr soll die Parksituation besser werden.

Stephanie von Aretin