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«Engelsdorfer Firma macht aus Alt Neu» 
 
 
 


Engelsdorfer Firma macht aus Alt Neu

Leipzig. Blitzende Fahrzeuge sind auf der Leipziger Messe Automobil International (AMI) keine Seltenheit. Ein Mercedes-Benz der SL-Baureihe aus den 70er Jahren hingegen schon. Vor allem, wenn er so schick auf Vordermann gebracht wurde, dass er wie neu aussieht. In Halle 5 ist ein solches Liebhaberstück am Stand der Firma IW Classic aus Engelsdorf bei Leipzig zu bewundern. "Innerhalb von drei Monaten ist ein solches Modell wieder fit", so Geschäftsführer Immo Warnecke. Für Liebhaber sei das schon einObjekt der Begierde. Allerdings müsse er dann bis zu 35000 Euro auf den Tisch legen. So teuer sei ein solches Fahrzeug nach aufwändiger Restauration.

"Bei uns kommt nicht nur bisschen neue Farbe drauf", erklärt der Firmenchef den Preis. Von der Elektrik über den Motor bis hin zur Innenausstattung ("alles voll in Leder von einem hiesigen Sattler") werde das Fahrzeug komplett erneuert. Und so steht neben dem schmucken, auf Hochglanz polierten SL auf der Messe auch ein für den Laien wie eine Schrottlaube anmutendes Etwas ein SL, der bis auf die Rohkarosserie zerlegt worden ist. Warnecke kauft per Internet alte SL-Mercedes-Wagen auf und bietet sie potenziellen Kunden an. "Dabei können sie auch spezielle Gestaltungsund Ausstattungswünsche einbringen." Dazu zählen etwa ein Sicherheitspaket, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber oder eine moderne Radio-Anlage. Seit Januar gibt es die Firma IW Classic. Es ist nunmehr die dritte von Warnecke. 1992 stieg der frühere Mitarbeiter vom Kraftverkehr Leipzig ins Fuhrgeschäft ein mit einem Lkw.

"Jetzt sind es bei der IW Transport GmbH 24 Laster." Dann gibt es seit 1999 noch die IW Truckstyling GmbH § Co. KG, die Lkw-Zubehör (Edelstahleinlagen, extra Scheinwerferbügel, Foliendekore und sonstige Schmuckelemente) entwickelt und an 110 Endkunden und Einzelhändler sowie drei Großhändler verkauft. "Wir legen Wert auf neues Design, was es sonst nicht zu kaufen gibt." Viele Trucker seien dann richtig stolz auf ihr Fahrzeug. "Insgesamt zählen 36 Mitarbeiter zu den drei Firmen", sagt Warnecke und ergänzt. "Selbstverständlich schreiben wir schwarze Zahlen." Beim Fuhrgeschäft habe das nicht immer so ausgesehen. Mitte der 90er Jahre sei es in die Verlustzone gerutscht, wegen der hohen Investitionen. Das sei aber vorbei. "Wir haben im vergangenen Jahr den Ertrag sogar deutlich verbessert", so der Unternehmer, der hier allerdings keine Zahlen nennen will. Anders beim Umsatz, da wird er konkreter.

Fuhren 2001 seine Trucker 2,7 Millionen Euro ein, waren es im vorigen Jahr schon drei Millionen Euro. Für dieses Jahr werden laut Warnecke bis zu 3,5 Millionen angepeilt. Allerdings würde die geplante Lkw-Maut schon kräftig ins Kontor schlagen. "Pro Jahr kommen auf uns etwa 550000 Mehrkosten zu." Das sei gar nicht so leicht zu verkraften. Der Firmenchef fürchtet, dass die Fuhrbranche in der Folge der Autobahn-Gebühr mit einem großen Sterben zu kämpfen haben wird. Warnecke gibt sich in Bezug auf seine Firmen allerdings zuversichtlich. Er hofft, mit den drei unternehmerischen Standbeinen weiter zulegen zu können. Deshalb hat er sich auch den Messe-Auftritt geleistet.

Ulrich Langer

© LVZ-Online vom: Donnerstag, 10. April 2003


 
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