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«Knöllchen vor der eigenen Haustür» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 2. Dezember 2004

Knöllchen vor der eigenen Haustür


Parkplätze in Siedlungen sind Mangelware. In Sommerfeld gibt es deswegen immer öfter Knöllchen. Doch während der Ortschaftsrat darauf drängt, die Fußwege halbseitig zum Parken freizugeben, hat Walther Pätzsch vom Amt für Stadtplanung eine andere Erklärung für die ungeliebten Bußgelder: Böswillige Nachbarn würden die Ordnungshüter in den stadtfernen Ortsteil rufen.

Knöllchen vor der eigenen Haustür - das ist für viele Siedler unakzeptabel. "Wenn am Sonntagabend ein Freund auf ein Bier vorbei kommt, muss der sein Auto vor der Tür abstellen können", machte ein Anwohner aus Sommerfeld im Engelsdorfer Ortschaftsrat deutlich.

Handwerker, Besucher, Anwoh-ner, die nur mal schnell ausladen wollen -sie alle laufen Gefahr, ein teures Bußgeld hinblättern zu müssen. Und das nicht etwa in der Innenstadt, sondern am Stadtrand. Dort, wo Platz genug ist für einen eigenen Garten, ein eigenes Häuschen und meist auch eine eigene Garage.

Nur die Straßen sind in Sommerfeld, wie in anderen Siedlungen auch, zu schmal geraten. Sie bieten nicht genug Platz für parkende Autos. "Die Fahrbahnen sind zwischen vier und 4,50 Meter breit. Wenn dort ein Auto abgestellt wird, dann bleiben nur noch 2,50 Meter Restfahrspur", rechnete Pätzsch vor. "Das ist zu wenig für den Durchgangsverkehr." Folglich behindern auf der Straße parkende Autos den Verkehr - die Politesse grüßt.

Doch auch auf dem Fußweg ist das Parken verboten. Denn unter den unbefestigten Gehbahnen sind oft Leitungen verlegt. "Der Baulastträger muss damit einverstanden sein, die Fußwege zur Hälfte als Parkplätze auszuweisen", klärte Pätzsch auf. Für Sommerfeld sei ihm die ablehnende Haltung des Tiefbauamtes bereits bekannt.

So oder so müssen die Anwohner also mit Bußgeldern rechnen. Doch "freiwillig", zeigte Pätzsch einen Ausweg auf, gehe keine Politesse "dort rein". "Das Ordnungsamt sieht wichtigere Schwerpunkte", so der Vertreter des Stadtplanungsamtes. Nur wenn Nachbarn sich beschweren, würden die Ordnungshüter in Sommerfeld aktiv: "Sonst nehmen die ein Verfahren wegen Strafvereitelung im Amt in Kauf."

Also alles nur ein Problem unter missgünstigen Nachbarn? Ortsvorsteher Volker Zocher wollte da nicht mitgehen. "Ich habe schon oft beim Ordnungsamt angerufen wegen irgendwelcher Dinge in der Nachbarschaft", sagte er. "Bisher sind die noch nie gekommen." Vielmehr sähen die Ordnungshüter auch in den Siedlungen am Stadtrand eine gute Einnahmequelle. "Dass alle Autos auf den Grundstücken parken, das geht einfach nicht", sagte Zocher und forderte die Verwaltung auf, das halbseitige Parken auf Fußwegen zu erlauben. "Wenn Müllfahrzeuge auf die gegenüber liegenden Bordsteine fahren, weil Autos auf der Straße stehen, geht der Gehweg auch kaputt", sagte er.

"Das Problem gibt es nicht nur in Sommerfeld", zog hingegen Ortschaftsrätin Erika Brand (PDS) den Bogen größer. Doch wenn Siedlungsstraßen in Mischflächen umgewandelt werden, auf denen Parken, Gehen und Fahren möglich sei, dann würden Beiträge fällig. Bei Ausnahmen gebe es einen Aufstand in anderen Stadtteilen, befürchtete Brand. "Deshalb hat der Stadtrat schon vor einiger Zeit beschlossen, für alle einheitliche Lösungen zu finden", sagte die ehemalige Stadträtin. "Dann werden aber die Bürger zur Kasse gebeten."

In die gleiche Kerbe schlug auch Pätzsch: "Wenn Fahrzeuge auf der Gehbahn parken, dann sitzen wir bald wieder hier und reden darüber, wer die Reparatur bezahlt", prophezeite er. Im Tiefbauamt soll nun eine Delegation des Ortschaftsrates mögliche Lösungen beraten.

Stephanie von Aretin



 
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