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«Vorschlag belebt Wochenmarkt-Streit» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 21. Mai 2004

Vorschlag belebt Wochenmarkt-Streit


Der Streit um den Engelsdorfer Wochenmarkt beschäftigt schon lange die Stadt, den Ortschaftsrat, die Händler und nicht zuletzt die Kunden. Jetzt unterbreitet die Stadt einen neuen Vorschlag: Der Markt solle dahin ziehen, wo ihn die ehemalige Gemeinde schon immer haben wollte: auf den Parkplatz in die Engelsdorfer Straße vor der Sparkasse.

Seit fast einem Jahr wird im Ort debattiert um die Zukunft des Markt-Standortes. Grund: Der jetzige Platz an der verkehrsreichen Ecke Hans-Weigel-/Arthur-Winkler-Straße liegt eher in einer Ecke von Engelsdorf statt zentral und ist gerade für ältere Bürger nicht gut zu erreichen. Stadträtin Annemarie Opitz (CDU) sieht auch die Händler ständig schwinden. "Von dem früher sehr reichhaltigen Marktangebot mit meistens 15 Verkaufswagen und zirka 800 Besuchern pro Markttag sind nur noch zirka fünf Verkaufswagen im Einsatz, mit entsprechend spärlicher Resonanz bei den Bürgern", stellte sie jetzt in einer Anfrage an den Oberbürgermeister fest. Vom einst fröhlichen Markttreiben sei nur noch Resignation übrig geblieben, die Verärgerung der Bürger und Händler wachse von Woche zu Woche. Das jetzige Grundstücke sei für einen Markt nicht geeignet, allen Beteiligten bei der Stadt sei das bekannt, nur ändern tue sich nichts.

Opitz befürwortet einen Umzug des Marktes an den früheren Standort am Bergh'schen Gut. So hatte es auch Bürgermeister Holger Tschense bei einem Bürgerforum noch im November vergangenen Jahres versprochen. Im scharfen Ton fragte daher Opitz diese Woche im Stadtrat an, warum für den Markt bisher Lösungen nur versprochen, aber nicht umgesetzt wurden.

Marktamtsleiter Herbert Unglaub bemüht sich, den Streit sachlich zu halten. Das sei in Engelsdorf nicht immer einfach, weil jeder im Ort eine Meinung habe, "und alle eine andere." Die Entwicklung des Marktes habe auch etwas mit der Jahreszeit zu tun, so Unglaub: "Vergangenen Donnerstag waren zum Beispiel wieder elf Händler da." Ein zu häufiger Standortwechsel schade aber den Händlern. Und auf deren Rücken dürfe der Streit keinesfalls ausgetragen werden, so der Amtsleiter. Eine Rückkehr an das Bergh'schen Gut werde von einem Teil der Kaufleute definitiv nicht gewünscht. "Das Areal ist in desolatem Zustand und müsste erst für viel Geld hergerichtet werden", so Unglaub. Davon rät er aber ab, "weil der Besitzer angekündigt hat, die Fläche vermarkten zu wollen." Hofeigner Bert Giesen will - wie berichtet - je nach Lage auf dem Wohnungsmarkt das Areal entwickeln und neu bebauen. Unglaub: "Das Gut wäre also keine Dauerlösung."

Er schlage daher einen ganz anderem Ort vor, den ihm auch die Markthändler ans Herz gelegt hätten: den Parkplatz vor der Engelsdorfer Straße 16 an der Sparkasse und der Gaststätte Alt-Engelsdorf. Wenn es ein Zentrum gebe in Engelsdorf, dann sei diese Fläche am nahesten dran. "Die ehemalige Gemeinde hatten diesen Platz ursprünglich selbst als Marktfläche geplant", erklärt Unglaub. Dann habe sie sich allerdings anders entschieden und die Fläche veräußert. "Ich bin mir aber sicher, dass es mit ein bisschen gutem Willen möglich sein müsste, den Ort an einem Tag in der Woche für etwa sechs Stunden nutzen zu können." Er werde jetzt das Gespräch mit dem Besitzer suchen, versprach Unglaub.

Ortsvorsteher Bernhard Brand ist des Lobes voll ob der Idee: "Das ist die beste Fläche, die wir in Engelsdorf haben." Der Gemeinderat habe sie früher extra als Markt vorbehalten, wegen eines Projektes dann aber an einen Bauträger abgegeben. Der Ortschaftsrat habe sich nie getraut, sie in die engere Wahl zu nehmen, weil sie in privatem Besitz stehe. Wie berichtet, hatte die Stadt bisher die Linie vertreten, kommunale Märkte auch auf städtischem Grund und Boden durchzuführen.

Brand ist gespannt, ob die Stadt die Fläche nutzen kann. "Der Parkplatz ist immer recht gut belegt. Das wird bestimmt nicht einfach, die Fläche zu bekommen", meinte der Ortsvorsteher. Gerade für ältere Menschen, denen der Markt auch als Ort der Kommunikation dient, sei es aber die beste Lösung.

Jörg ter Vehn



 
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