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«Hochschultag bereitet Gymnasiasten auf Lernen an der Universitšt vor» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 30. März 2004

Hochschultag bereitet Gymnasiasten auf Lernen an der Universität vor


Zum ersten Mal gab es im Engelsdorfer Gymnasium einen Hochschultag. Dazu kamen etwa 90 Schüler der elften Klassen erwartungsvoll in ihre Aula. Der Theologe und Philosoph Wolfram Tschiche war extra aus der Altmark gekommen, um vor den Gymnasiasten über das Thema "Der Islam im Kreuzfeuer der Kritik" zu referieren.

Der Auftritt in einer Leipziger Schule war für ihn Neuland. Er trägt seine Ausführungen sonst deutschlandweit meist an Fachhochschulen oder Verbänden vor. Nachdem Schulleiter Hans-Jürgen Palm den angehenden Studenten das Anliegen eines Hochschultages erläutert hatte, begann der 53-jährige Dozent mit seiner Vorlesung. In den Reihen saßen die Schüler angespannt mit dem Block auf den Knien und den Stift etwas verkrampft in der Hand. Noch etwas unsicher schrieben die 17-Jährigen das Gehörte auf. Nach zweieinhalb Stunden teilten sich die Schüler in Seminargruppen auf, um zu diskutieren. Zur besseren Verarbeitung des Themas bekam jeder das Kairoer Abkommen zu Menschenrechten in die Hand.

Ethiklehrer Dr. Jörg Suchy betreute ein Seminar. Victoria Röber war in dieser Gruppe: "Wir haben uns damit auseinander gesetzt, ob der Dozent das Thema beschönigt hat, ob er zu viel oder zu wenig Kritikpunkte genannt hat. Schon dabei gab es unter den Schülern unterschiedliche Auffassungen." Etwas nachdenklich ergänzte sie: "Ich habe mein persönliches Weltbild erweitern können und mein Wissen über den Islam vertieft."

Die Idee des Hochschultages fand Simon Tamaschke ganz toll: "Als Abiturient wird man ins kalte Wasser geworfen, wenn man an eine Universität kommt. Hier konnten wir richtig Hochschulluft schnuppern", und ergänzte: "Das Zuhören und Mitschreiben in der Vorlesung und das Diskutieren und selber aktiv werden im Seminar war schon richtiges Uni-Leben."

Die Bedingungen im Gymnasium waren dabei eher uni-untypisch: Es gab kein Drängen am Eingang zur Aula, jeder hatte seinen Platz und es gab einen gemeinsamen Austausch der Seminargruppen. "Das war aber eine gute Vorbereitung auf die Uni. Wir brauchen auch im kommenden Jahr einen Hochschultag, das bringt uns wirklich weiter", war die Meinung von Sebastian Pospiech. Damit sprach er allen Mitschülern aus der Seele.

Marita Syrbe



 
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